Alpenschnuppern
Ulf Böhringer, freier Journalist mit Arbeitsschwerpunkt Motorrad-Tourismus
Diese Route folgt weitgehend der Deutschen Alpenstraße, der wohl attraktivsten Verbindung von West nach Ost, die möglichst dicht am Alpenrand entlangführt. In Garmisch-Partenkirchen steht ein Abstecher zum Eibsee am Anfang der Tour: Die Kulisse unterhalb der Zugspitze, mit 2.963 Metern Deutschlands höchster Berg, ist zu großartig, um sie außen vor zu lassen. Dann entlang des markanten Wettersteingebirges
östlich, direkt auf das nicht minder eindrucksvolle
Karwendelgebirge zu. Direkt davor nördlich nach Wallgau, wegen seiner vielen, mit Lüftlmalereien verzierten
Häuser besonders markant. Sehr eindrücklich ist die gut elf Kilometer lange Fahrt auf der Mautstraße von Wallgau nach Vorderriß; sie folgt dem Lauf der Isar, die in diesem Bereich einen echten Wildfluss darstellt. Wer hier durchrast, verrät sein Null-Gespür für die Schönheiten
der Natur.
Der Abstecher von Vorderriß über Hinterriß in die sogenannte
Eng ist sowohl wegen der Fahrtstrecke wie auch wegen des Ziels ausgesprochen lohnend; die mit uralten Ahornbäumen bestandene Hochfläche ist ein Wunder der Natur (Zeitaufwand mindestens drei Stunden).
Flüssig geht’s später entlang dem Sylvenstein-Stausee, in den 50er Jahren als Hochwasserschutz für die Isar-Anrainergemeinden
gebaut. Er musste seither mehrfach Bewährungsproben
ablegen; überwiegend mit Erfolg. In Rottach-Egern weiter wie auf Tour 1 Richtung Tegernsee (Ostufer). Besonders auffällig ist das einstige Kloster in Tegernsee, heute Gymnasium. Weithin bekannt ist das Bräustüberl der örtlichen Brauerei.
Schönster Weg in Richtung Bayrischzell ist der durch das Leitzachtal – erstens wegen der attraktiven Straßenführung
entlang der Leitzach, zweitens wegen der Möglichkeit,
im Winklstüberl eine Kaffeepause zu machen. Das Café ist längst Legende und darf deshalb hier ohne den Vorwurf möglicher Schleichwerbung erwähnt werden. Ein besseres Verhältnis aus Qualität, Portionsgröße und Preis ist dem Autor nicht bekannt. Deshalb ist es hier trotz ungefähr
400 Plätzen auch stets drangvoll voll.
Über die von manchen Motorradfahrern noch immer als Bergrennstrecke betrachtete Sudelfeldstraße in attraktiven Kurven hinauf zum 1.123 Meter hohen Sudelfeldpass. Ein Stück weiter südlich Auffahrtsmöglichkeit zum Oberen Sudelfeld
auf ca. 1.500 Metern mit sehr schönem Ausblick, u.a. auf den 1.837 Meter hohen Wendelstein.
Talwärts vorbei am Wasserfall Tatzelwurm nach Oberaudorf, empfehlenswerter Stopp im urtümlich-unverbauten Gasthof
Waller nahe dem Kloster Reisach.
Auf der österreichischen Seite Inn-aufwärts und über die Gemeinde Samerberg in den Chiemgau; für Motorradfahrer
gilt auf der Samerbergstrecke übrigens eine spezifische Tempo-Begrenzung. An Aschau im Chiemgau mit dem herrlichen Schloss Hohenaschau vorbei, zweigt die B 305 vor Marquartstein schließlich nach Süden in die Chiemgauer
Alpen ab. Ab Reit im Winkl führt die Route durch einen Teil des Nationalparks Berchtesgaden-Königssee, vorbei an einigen wunderschönen Seen; am Weitsee gibt es sogar eine Bademöglichkeit, rechts der Straße. Die Strecke,
sehr gut ausgebaut mit oft weiten, mitunter auch engeren
Kurven, ist einer der am schönsten zu befahrenden Streckenabschnitte der Deutschen Alpenstraße.
Kurz nach dem Rechtsknick der B 305 bei Inzell lohnt ein Stopp am Gletschergarten, links der Straße gelegen. Hier kann man Gletscherschliffe hautnah erleben. Wer knapp hinter dem Schwarzbachwachtsattel (868 m) rechts abbiegt
und auf teils einspuriger, sehr kurviger Straße zum romantisch gelegenen Hintersee fährt und diesen umrundet,
macht keinen Fehler. Bei Ramsau wird wieder die B 305 erreicht.
In Berchtesgaden beginnt der letzte, wohl eindrucksvollste
Abschnitt der gesamten Deutschen Alpenstraße, die Tour über die Roßfeld-Höhenringstraße. Die mautpflichtige
Strecke (gut ausgeschildert) führt bis auf 1.560 Meter; nirgendwo in Deutschland geht’s auf öffentlichen Straßen höher hinauf. Die Straße wurde im Dritten Reich projektiert,
aber erst 1955 endgültig fertiggestellt; sie führt ein Stück über österreichisches Staatsgebiet und ist eine Bundesprivatstraße
und als solche gebührenpflichtig (Motorräder
3,50 Euro). Unterwegs mehrere hervorragende Aussichtspunkte;
der Blick reicht über das nahe Salzburg bis zum Dachsteingebiet am südlichen Ende des Salzkammergutes.
Die Nordrampe der Roßfeldstraße erreicht bei Unterau wieder das Tal. Die B 305 führt nördlich hinaus Richtung Salzburg; wer knapp hinter der Grenze nach Grödig abbiegt
und der kurvigen Waldstraße am Nordhang des Untersbergs
folgt, gelangt bei Marzoll wieder nach Oberbayern
und nach Bad Reichenhall.